Was ist eigentlich ein Hobby? Wikipedia schreibt: Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig zum eigenen Vergnügen oder der Entspannung betreibt…. Ja, genau in diesem Sinne sind meine Waldgänge freiwillige und regelmäßige Freizeitbeschäftigung. Mein Hobby sind Waldgänge – viel Spaß beim Lesen 🙂

Was sind Waldgänge?

Ich wohne seit einigen Jahren in einem Dorf auf 1000m Seehöhe, inmitten von Wiesen und Wäldern. Ich brauche nur einige Meter zu gehen und schon bin ich im Wald. Meine Waldgänge sind mittlerweile zur regelmäßigen Freizeitaktivität geworden, die verschiedene Zwecke erfüllen. Mit einem einzigen Waldgang decke ich mindestens drei für mich (lebens-)wichtige Bedürfnisse ab: 1) Sporteln, 2) Meditieren & Beten, 3) Mit-Allen-Sinnen-Wahrnehmen und In-Energie-Baden. Obwohl ich tagsüber meist sehr beschäftigt bin, nehme ich mir fast täglich Zeit für mindestens einen ausgiebigen Waldgang, der mindestens 30 Minuten, meist jedoch 1-2 Stunden dauert.

Lockere Kleidung angezogen, in Lauf- oder Wanderschuhe geschlüpft, ein Bauchtascherl umgeschnallt für Schlüssel, Handy und Klopapier und schon bin ich bereit für meinen Waldgang.

Waldgänge als sportliches Ausdauertraining

Die Landschaft hier ist sehr bergig und hügelig, es gibt kaum ebene Flächen und so wird jeder Waldgang zur Berg- und Talwanderung. Das nutze ich für sportliche Aktivitäten, indem ich die Strecken bergauf und bergab laufend oder schnell gehend bewältige. Ich setze mir dabei Etappen-Ziele und freu mich über meine wachsende Ausdauer und vor allem darüber, dass ich immer weniger schnaufe beim Langsam-Bergauf-Laufen 🙂 Die von mir zurückgelegten Strecken liegen meist zwischen 7-12km Länge mit einigen hundert Höhenmetern. Wenn ich meine Waldgänge laufe, dann sind sie eigentlich Mini-Trailrunnings.

Wenn Schnell-Gehen statt Laufen an der Reihe ist, dann versuche ich während der gesamten Strecke mein Geh-Tempo möglichst gleichmäßig zu halten. Egal ob’s bergauf oder bergab geht. Auch diese Übung eignet sich hervorragend als Ausdauertraining. Hin und wieder nehme ich meine Nordic-Walking-Stöcke zur Unterstützung. Nach so einem sportlichen Waldgang fühle ich mich immer super fit in Körper und Geist 🙂

Während der Waldgänge beten…

Ich bin Buddhistin und nehme mir manchmal vor, eine von mir bestimmte Anzahl von speziellen Gebeten oder Mantren zu rezitieren. So entscheide ich mich zum Beispiel, das Gebet X oder das Mantra Y 100.000mal zu rezitieren. Das dauert natürlich einige Monate, da ja meine Tageszeit hierfür sehr begrenzt ist und meine Prioritäten meist woanders liegen. Die formale Regel bei dieser Praxis lautet: das Gebet ist TÄGLICH mindestens 21mal zu rezitieren, sonst beginnt das Zählen wieder bei Eins. Eine gute Übung fürs Dranbleiben 🙂

Mantrarezitationen sind mit bestimmten Konzentrationsübungen bzw. Visualisationen verbunden. Waldgänge eignen sich hervorragend für diese Praxis. Vor allem wenn ich auf Forstwegen laufe, brauche ich nicht so sehr auf den Boden zu achten und kann mich voll auf die Visualisation konzentrieren. Da das Gebiet, in dem ich wohne, touristisch nicht erschlossen ist, kann ich auch meine Stimme beim Rezitieren einsetzen. Kaum jemand hört oder sieht mich. Bei dieser Übung nehme ich zwar nur wenig vom Wald und seiner Schönheit wahr, doch kann ich mich voll auf die Gebetspraxis einlassen. Meist rezitiere ich während einer Waldgang-Etappe einige hundert Gebete bzw. Mantren. Dabei wird mein Geist offen und weit. Immer wieder erfahre ich intuitive Einsichten und spirituelle Erkenntnisse.

…und meditieren

Waldgänge eignen sich auch sehr gut für Gehmeditationen. Bei dieser Übung lenke ich meine Aufmerksamkeit auf den Atem und verbinde meine Schritte mit dem Rhythmus des Atmens. Manchmal gehe ich langsam und mache während des Einatmens 1-3 Schritte und während des Ausatmens ebenfalls 1-3 Schritte. Meine Aufmerksamkeit ist ganz beim Atmen und meine Schritte folgen dem Ein- und Ausatmen. Manchmal wird die Gehmeditation auch zur Laufmeditation. Unabhängig davon, wie schnell ich gehe oder laufe, Gehmeditation ist immer möglich. Denn Gehmeditation ist eine Konzentrationsübung und hat nichts mit Geschwindigkeit zu tun. Gehmeditation ist die beste Übung, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein und Kurzurlaub von den Gedanken zu machen. Sie stärkt die innere Kraft und entspannt gleichzeitig Körper und Geist. Gehmeditation ist praktizierte Achtsamkeit.

Waldgänge: Schönheit erleben und Kraft tanken

Meine Waldgänge sind auch ein tiefes Eintauchen in die Natur und ein Baden in der kraftvollen Energie der Bäume und des Waldbodens. Ich setze mich inmitten der Bäume auf den Boden oder auf einen Baumstumpf und nehme einfach wahr: ich höre die Gesänge und Warnrufe der Vögel sowie das Rauschen des Windes in den Ästen und Zweigen. Die oberen Baumstämme sehe ich im Wind tanzen und Ameisen sich auf dem Boden tummeln. Mein Atem ist erfüllt vom saftigen Grün des Mooses und vom erdigen Braun der Bäume. Ich rieche die moosige Feuchte des Bodens und das Pech auf den Baumstämmen. Ein wahres Fest für die Sinne.

Die Früchte des Waldes genießen

Ich genieße auch die schmackhaften Früchte, die vor allem am Waldrand wachsen. Das sind Walderdbeeren zu Sommerbeginn und jetzt im August vor allem Himbeeren und Brennnesselsamen. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass vor allem die Samen der weiblichen Brennnessel so gesund sind. Sie gehören in die Kategorie Superfood 🙂

Du erkennst die weiblichen Samen daran, dass sie grün oder bräunlich sind und in kleinen Büscheln vom Stengel herabhängen. Die braunen Samen sind gehaltvoller als die grünen – sie schmecken auch unterschiedlich. Die Samen der männlichen Brennnessel sind spärlicher und sie stehen vom Stengel horizontal ab. Brennnesselsamen mit Waldhimbeeren – ein wahrer Genuss für den Gaumen 🙂 Probier‘ mal! Aber Achtung, auch die Samen der Brennnessel können noch leicht brennen. Mich stört das leichte Brennen im Mund nicht aber du kannst es verhindern, indem du die Samen zuerst mit deinen Fingern drückst. So brechen die Brennhärchen ab und du kannst die Samen ohne Brennen im Mund genießen. Ein Tipp: kaue sie gut und langsam, dann erlebst du ihren Geschmack intensiver!

Uuuuund: ich bin zwar keine Schwammerlsucherin, aber ich finde immer wieder unerwartet Eierschwammerl und Pilze! Auch sie sind natürlich wunderbare und schmackhafte Früchte des Waldes 🙂

Waldgänge sind Lebenselixier

Für mich sind Waldgänge mittlerweile unverzichtbarer Teil meines Lebens. Mein Hobby: Waldgänge sind meditative Tiefgänge und spirituelle Höhenflüge, sportliches Training und sinnliches Erleben, Loslassen und Entspannen in einem. Probier’s aus und sieh‘ selbst!