Was bedeutet Liebe? Wie beschreiben wir jemanden, der liebt? Kann ich überhaupt andere lieben, ohne mir selbst zugeneigt zu sein? Was ist die spirituelle Dimension der Liebe? Kann ich lernen zu lieben? Selbstliebe ist eng mit Achtsamkeit verbunden.

Liebe ist…

LIEBE ist ein großes Wort mit vielen Bedeutungsebenen. Die von mir gewählte Definition kommt aus der buddhistischen Tradition. Bei aufgeladenen und vieldeutigen Wörtern erscheint es mir hilfreich und wichtig, zunächst die Bedeutung des Wortes zu klären. So weißt du, was ich meine, wenn ich das Wort Liebe verwende. Begriffsklärung ist eine wichtige Basis für gegenseitiges Verstehen, für gute Kommunikation 🙂 Ganz allgemein gesprochen, ist Liebe ein Geisteszustand, der sich selbst und anderen das Glücklichsein wünscht. ALLUMFASSENDE LIEBE gehört zu den sog. Vier Unermesslichen Geisteszuständen, die drei weiteren Unermesslichkeiten sind MITGEFÜHL, FREUDE und GLEICHMUT.

Unermessliche Liebe ist spirituelle Praxis

Das buddhistische Gebet der Unermesslichen Liebe lautet: Wie wunderbar wäre es, wenn alle Lebewesen Glück besäßen und die Ursachen von Glück! Mögen sie alles Glück besitzen! Ich werde sie zu diesem Zustand führen. […] Liebe ist der Wunsch, die Absicht und schließlich die Tat, sich selbst und andere glücklich zu machen. Obwohl Liebe das Herzstück jeder religiösen Übung ist, so ist die Praxis der Liebe doch nicht an irgendeine Religion gebunden. Lieben ist gelebte menschliche Ethik, Lieben ist das Juwel menschlicher Spiritualität. Lieben ist aktives Handeln, um sich selbst und andere glücklich zu machen. Unermesslich bzw. Groß wird die Liebe dann, wenn wir sie ausdehnen auf alle Lebewesen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Status, Kriminalitätsrate usw. Ein schwieriges Unterfangen. Diese Form der Liebe wird Allumfassende Liebe genannt. Sie ist eine äußerst fortgeschrittene und herausfordernde Übung. Denn sie muss begleitet sein von Weisheit und Mitgefühl und völlig frei sein von Überheblichkeit und Stolz. Allumfassende Liebe ist wohl die Krönung spiritueller Praxis. 

Der erste Schritt: Selbstliebe

Viele Jahre lang habe ich das Wort Selbstliebe etwas geringschätzig in die Softie- und Eso-Ecke geschoben. Doch heute weiß ich: Selbstliebe ist eine wahrhaftige und tiefgründige Praxis. Und mittlerweile bin ich überzeugt: Bevor ich meine Liebe auf andere ausdehne, ist es förderlich und günstig, zunächst zu lernen, mich selbst zu lieben. WAS soll ich tun oder lassen, um mich [und andere] glücklich zu machen? Das erfahre ich, wenn ich den Mut habe, mich selbst kennenzulernen, in mich hineinzuhören und hineinzuschauen. Ich brauche Mut, um nicht zu erschrecken, wenn meine Unzulänglichkeit, meine Verletzlichkeit und mein Schmerz hervortreten und sich vor mir ausbreiten. Ich brauche Mut, um meine Unvollkommenheit anzunehmen und mich dafür zu lieben. Der große Zen-Meister Thich Nhat Hanh sagt: Um geliebt zu werden, müssen wir selbst lieben können, müssen wir verstehen. Und um selbst lieben zu können, müssen wir uns selbst lieben. aus: Thich Nhat Hanh. Das Erblühen des Lotus.

Der Pfad der Liebe

Mich selbst lieben heißt auch zu wissen, was ich brauche, um wirklich glücklich zu sein. Heißt zu wissen, was ich tun soll, was mir wirklich und nachhaltig gut tut und nicht nur kurzfristige Bedürfnisse befriedigt. Das scheint sehr individuell und bei jeder Person anders zu sein, weil es mit der eigenen Geschichte, mit der eigenen Lebenssituation zu tun hat. Es ist abhängig ist von den Umständen, in denen wir uns befinden.  Dennoch gibt es einen universellen und allgemeinen Übungspfad, der uns auf lange Sicht Glück und Wohlergehen bringt. Es ist der Pfad der Drei Schulungen: Ethik – Sammlung (Achtsamkeit) – Weisheit. Kurz gesagt: Lernen und wissen, was anzunehmen und was aufzugeben ist.

Grundlage der Liebe: Ethik

Der erste Schritt und die Basis für unser Denken, Sprechen und aktives Handeln ist unsere innere Werthaltung, unsere ethische Ausrichtung. Einfach ausgedrückt geht es darum zu lernen, Handlungen zu unterlassen, die anderen und uns selbst Leiden und Schaden zufügen.  Die sog. fünf Silas (pañcasīla) zeigen fünf Handlungswege auf, die die Basis für langfristiges Glücklichsein bilden. Der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh und die Plum Village Gemeinschaft haben die fünf Silas erweitert und ihnen eine zeitgemäße Kleidung geschenkt. Die sog. 5 Achtsamkeitsübungen verkörpern die buddhistische Vision einer globalen spirituellen Ethik. Die ausführliche und aktuelle Version findest du hier: https://plumvillage.org/de/die-funf-achtsamkeitsubungen/

1. Achtung vor dem Leben

Im Bewusstsein des Leidens, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, übe ich mich darin, Wege zu erlernen, um Leben in jeglicher Form zu schützen. 

2. Großzügigkeit

Im Bewusstsein des Leidens, das durch Diebstahl und Unterdrückung entsteht, übe ich mich darin, liebende Güte zu kultivieren und Wege zu erlernen, für das Wohlergehen der Lebewesen tätig zu sein.

3. Sexuelle Verantwortung

Im Bewusstsein des Leidens, das durch sexuelles Fehlverhalten entsteht, bin ich entschlossen, Wege zu erlernen, die die Sicherheit und die Integrität von Individuen, Paaren, Familien und der Gesellschaft schützen.

4. Tiefes Zuhören und liebevolles Sprechen

Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsame Rede und aus der Unfähigkeit, anderen zuzuhören entsteht, übe ich mich darin, liebevolles Sprechen und tiefes Zuhören zu kultivieren, um anderen Freude und Glück zu bereiten. Im Wissen, dass Worte sowohl Glück als auch Leiden hervorrufen können, bin ich entschlossen, nichts Unwahres zu sagen und keine Nachrichten zu verbreiten, ohne ganz sicher zu sein, dass sie der Wahrheit entsprechen.

5. Achtsames Konsumieren

Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsames Konsumieren entsteht, übe ich mich darin, auf körperliche und geistige Gesundheit zu achten, indem ich achtsames Essen, Trinken und Konsumieren praktiziere. Ich will das zu mir nehmen, was den Frieden, das Wohlbefinden und die Freude in meinem Körper und in meinem Bewusstsein fördert. Ich werde daran arbeiten, Gewalt, Angst, Ärger und Verwirrung in mir selbst und in der Gesellschaft zu transformieren.

Sammlung und Weisheit

Der zweite und der dritte Schulungsweg sind die Schulung der Sammlung (=Meditation & Achtsamkeit) und die Schulung der Weisheit.  Körperliche Liebe ohne die spirituelle Dimension der Achtsamkeit und des Wohlwollens für sich selbst und andere hat kein tragfähiges Fundament. Denn sie orientiert sich hauptsächlich an den Sinnesfreuden und vergeht oft schnell. Körperliche Liebe, eingebettet in die spirituelle Dimension der Achtsamkeit, ist erfüllend und sinnstiftend. Die damit verbundenen Sinnesfreuden können zu ekstatischen Erfahrungen der Transzendenz führen.

Selbstliebe ist…

…morgens mit dem Gedanken aufzuwachen: egal, was ich heute schaffe und was unerledigt bleibt: ich bin gut genug. …abends mit dem Gefühl ins Bett zu gehen: ja, ich bin unvollkommen und verletzlich und bisweilen auch ängstlich, doch das ändert rein gar nichts daran, dass ich auch mutig bin und liebenswert und dass ich dazugehöre. (Brené Brown. Die Gaben der Unvollkommenheit.)

Das Herz der Übung: Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Kunst der Präsenz. Die besten Vorsätze, Leitlinien und Werthaltungen bleiben bloße Worte, wenn die Achtsamkeit fehlt. Wenn dir bewusst ist, was in dir im gegenwärtigen Moment passiert – emotional, gedanklich, körperlich – kannst du auch bewusst handeln. Geistige, emotionale und körperliche Präsenz entstehen durch die Kraft der Achtsamkeit. Und diese wiederum trainieren wir durch die Shamata-Meditation 🙂

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