Gewohnheiten sind innere Programme, die größtenteils unbewusst ablaufen. Gewohnheiten bestimmen sehr stark, wie wir denken, handeln und fühlen. Wenn bestimmte Bedingungen zusammenkommen, dann reagieren wir wie automatisch auf diese Situation. Gewohnheiten werden zu Gewohnheiten, weil wir bestimmte Handlungen in der Vergangenheit immer wieder durchgeführt haben – wir haben uns an sie gewöhnt und nun laufen sie automatisch ab.

Gute“ Gewohnheiten

Ob eine Gewohnheit „gut“ oder „schlecht“ ist, hängt davon ab, ob sie unseren Alltag und unser Leben erleichtert bzw. bereichert oder ob sie uns stört oder gar schadet. Eine Gewohnheit, die unseren Alltag erleichtert, ist z.B. die Fähigkeit, Auto oder Rad zu fahren oder einfach aufrecht zu gehen. Bestimmte Abläufe funktionieren automatisch, ohne dass wir bei jedem einzelnen Schritt nachdenken müssen. 

Das kann in gefährlichen Situationen lebensrettend sein, weil wir die notwendigen Handlungsabläufe verinnerlicht haben und sie daher automatisch ablaufen. So haben viele Gewohnheiten eine Entlastungsfunktion, die uns das Leben enorm erleichtert.

„Schlechte“ Gewohnheiten

Es gibt aber auch Gewohnheiten, die uns blockieren oder sogar schaden. Wenn wir z.B. im Stress sind, greifen wir vielleicht gerne zu Süßigkeiten oder zur Zigarette: Stress erzeugt ein bestimmtes Gefühl in uns (Trigger), das uns dazu bewegt, Schokolade zu essen oder eine Zigarette zu rauchen (Verhalten). Für kurze Zeit wird dadurch der Stress reduziert (Belohnung). Unser Bewusstsein erkennt, dass durch das Schoko-Essen oder durch das Rauchen der Stress reduziert wurde und signalisiert: das ist gut, weiter so.

Es kann aber auch sein, dass uns bestimmte Situationen so triggern, dass wir einen Wutausbruch bekommen, der uns kurzfristig Erleichterung verschafft oder dass wir vor Angst und Sorge handlungsunfähig, sprichwörtlich gelähmt werden und dann die Opferrolle einnehmen. Unsere Emotionen sind ebenfalls starke Gewohnheiten, ausgelöst von bestimmten Triggern, die dann wieder bestimmte Verhaltensmuster auslösen. Und zwar nach dem Schema: Trigger – Verhalten – Belohnung – Wiederholung – Gewöhnung.

Gewohnheiten ändern

Manche Gewohnheiten möchten wir ändern oder loswerden, weil sie störend sind. Geht das überhaupt? Können wir Gewohnheiten ändern? Die Antwort ist eindeutig JA! Warum? Weil Körper und Geist sich aufgrund von Ursachen und Bedingungen verändern. Sie sind flexibel und abhängig von Ursachen und Bedingungen. Und wir haben die Kraft und die Möglichkeit, Ursachen zu setzen, die gewünschte Veränderungen hervorrufen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Gewohnheiten zu ändern. Die zwei wichtigsten und wirkungsvollsten sind meines Erachtens: 

1. Etwas Einschneidendes ist passiert

…weil du a) eine tiefgreifende innere Einsicht gewonnen hast oder weil sich b) deine äußere Lebenssituation grundlegend verändert hat.

a) Innere Einsicht

Ich habe z.B. über 20 Jahre lang geraucht, täglich etwas mehr als ein Packerl. In den 90er Jahren war ich eine oft sehr aggressive Kämpferin für Frauenrechte, für eine autofreie Stadt usw. Ich war sehr außen-orientiert, mein Feind war im Außen. 

Als ich Ende der 90er Jahre dem Buddhismus begegnete, war ich fasziniert von dieser anderen Sichtweise und begann, diese Philosophie zu studieren und die Meditationspraxis zu üben. Durch Geistestraining erkannte ich, dass Freiheit und Frieden im Außen vom Frieden und der Freiheit in unserem Inneren abhängig sind. 

Ein hasserfülltes Herz kann niemals freundlich und friedvoll sein. Unsere eigentlichen Feinde sind Hass, Neid, Gier, Unwissenheit und alles, was daraus entsteht. Der Feind stirbt irgendwann, aber der Hass stirbt nie, wenn er nicht transformiert und befriedet wird.

Plötzlich erkannte ich, wie gewalttätig ich selbst war, in meinen Gedanken, in meinen Worten und Taten. Und plötzlich sah ich ganz klar, dass Rauchen ein Gewaltakt gegen meinen Körper ist. Das Bild und diese Erkenntnis werde ich nie vergessen. Am nächsten Tag war ich rauchfrei und bin es bis heute. Das war eine tiefgreifende und einschneidende Erkenntnis, die eine starke Gewohnheit sofort beendete.

b) Äußere Umstände ändern sich

Wenn wir Eltern werden, dann ändert sich unser gesamter Lebensalltag. Wir lernen neue  Gewohnheiten und geben alte auf, weil es die neue Lebenssituation erfordert. Plötzlich ist da ein kleines Wesen in unserem Leben, das unsere volle Aufmerksamkeit braucht. Wir ändern unseren gesamten Tagesablauf und organisieren unser Leben neu.

Oder wir werden arbeitslos oder eine Pandemie bricht aus. All diese äußeren Veränderungen verändern unsere Gewohnheiten, unser Denken und Handeln.

2. Du triffst die bewusste Entscheidung

Du triffst die bewusste Entscheidung, eine lästige Gewohnheit zu ändern, aufzugeben oder durch eine neue zu ersetzen. Dazu musst du sie zunächst erkennen und identifizieren. Du gibst ihr einen Namen. Hallo Gewohnheit 🙂

Es gibt viele Methoden, viele 5-, 7-, 8- Schritte-Modelle, die dir zeigen, wie du störende Gewohnheiten los wirst. Doch meine persönliche Erfahrung ist: ohne Achtsamkeit geht gar nichts. Denn, wenn du den Automatismus nicht unterbrechen kannst, weil du nicht innehalten kannst, bevor das Gewohnheitsmuster aktiv wird, sind alle gut gemeinten Empfehlungen und Ratschläge umsonst. Du weißt zwar intellektuell, was zu tun ist, doch deine Emotionen tanzen auf gewohnten Pfaden und hören dich nicht.

Gewohnheiten sind so starke Energien, die dich “bewusstlos” machen. Um Gewohnheitsmuster zu stoppen, brauchst du eine Pause, einen Spielraum, in dem du bewusst und aktiv die Entscheidung triffst. Boss im eigenen Reich zu sein erfordert Übung, mitunter auch Anstrengung. Und diese Übung, das achtsame Gewahrsein zu trainieren, heißt Shamata-Meditation.

Achtsamkeit ist Präsenz

Achtsamkeit ist eine geistige Kraft, die uns mit dem gegenwärtigen Moment verbindet. Meist ist dein Körper zwar hier im Raum anwesend, dein Geist wandert jedoch oft in die Zukunft oder in die Vergangenheit. Die Achtsamkeit bringt deinen Geist zurück ins Jetzt. 

Was aber verstehen wir unter Achtsamkeit? Achtsamkeit ist die geistige Kraft der Erinnerung. Das entsprechende Sanskrit-Wort smṛti wird oft auch mit Vergegenwärtigung übersetzt. Dieser Begriff bringt besser zum Ausdruck, was Achtsamkeit bedeutet, nämlich Präsenz.

Achtsamkeit durch Shamata-Meditation

Achtsamkeit trainierst du durch Shamata-Meditation. Dabei nimmst du dir z.B. vor, deinen Fokus auf den Atem zu lenken und nur den Atem zu beobachten, dann passiert meist folgendes: Du sitzt und betrachtest den Atem. Dann hörst du Geräusche oder es kommen Gedanken und diese Wahrnehmungen tragen deine Aufmerksamkeit fort. Die Achtsamkeit erinnert dich aber an dein Vorhaben, nämlich den Atem zu beobachten und bringt dein Bewusstsein immer wieder zurück zum Atem. So trainierst du nicht nur deinen Fokus, sondern auch die Achtsamkeit auf den Atem. Die Achtsamkeit ist also deine geistige Fähigkeit der Erinnerung.

Und diese Achtsamkeit brauchst du, um innezuhalten und zu erkennen, was beim gewohnheitsmäßigen Verhalten so alles abläuft. Wodurch wird das Gewohnheitsmuster ausgelöst? Was ist der Trigger? Welche Gedanken, Gefühle sind da? All das erkennst du durch achtsames Gewahrsein, wenn du vollkommen präsent bist. 

Dein Geist wird wie klares Wasser

Wenn du mit deiner Aufmerksamkeit beim Ein- und Ausatmen bist, lässt dein Denken allmählich nach. Du beginnst, tiefer und direkter wahrzunehmen. Das ist entspannend und befreiend, weil dein Gedankenkarussell allmählich stoppt. Stell‘ dir ein Glas mit reinem Wasser vor, in das du sandige Erde streust. Zu Beginn wird das Wasser noch trüb sein. Erst wenn sich die Erde abgesetzt hat, ist das Wasser klar. Genauso ist es mit unserem Geist. Wenn die Gedanken (Erde) zur Ruhe kommen, können wir klar erkennen, was ist. 

Die Übung der Achtsamkeit hilft dir, deine Gedanken loszulassen und klar zu sehen, was im gegenwärtigen Moment passiert. Und das ist eine Übung, ein Training. Wie schnell du Fortschritte machst, hängt von deinem Engagement ab, wie oft du übst.

Achtsamkeit, Fokus und Klarheit kann einem leider keiner von außen einimpfen. Es ist die Frucht deiner eigenen Meditationspraxis, die dir Präsenz, Klarheit und Leichtigkeit im Alltag bringt.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Meditieren lernen – Finde deinen FOKUS

4-Wochen Online Meditationstraining LIVE. Meditation ist DAS Werkzeug für mehr Achtsamkeit, Fokus und Klarheit in allen Lebensbereichen.  Regelmäßiges Meditieren schafft die Basis für mentale Stärke, emotionale Balance und körperliches Wohlbefinden. >>> Erfahre mehr >>>

Atmen lernen – ATME SANFT!

4-Wochen Buteyko-Atemtraining LIVE. Du lernst wieder natürlich und sanft zu atmen – für mehr Lebensqualität, Wohlsein und Leistungsfähigkeit. >>> Erfahre mehr >>>

Newsletter

Abonniere meinen Newsletter und werde Teil unserer wachsenden Gemeinschaft. Mit dem Newsletter erhältst du regelmäßig Interessantes und Neues zu Meditation, Achtsamkeit, Atmen und Buddhismus. Hier anmelden >>>