Denkst du auch zuerst an geführte Meditationen, wenn du das Wort Meditation hörst? Dann geht’s dir so wie vielen Menschen, die im Internet nach Meditation suchen und dort vor allem geführte Meditationen kennenlernen. Geführte Meditationen sind äußerst beliebt und helfen dabei, Körper und Geist zu entspannen. Was sind nun eigentlich geführte Meditationen und worin liegt ihr Nutzen? Was ist Stille Meditation und welche Vorteile bringt sie? In diesem Blogartikel betrachte ich das Thema: Geführte Meditation oder Stille Meditation – was ist besser?

Geführte Meditation – was ist das?

Bei dieser Form der Meditation werden unsere Sinne und unsere Gedanken von außen stimuliert. Wir hören eine angenehme Stimme, die uns Schritt-für-Schritt-Anweisungen gibt. Wir brauchen nichts weiter tun, als uns fallenzulassen und den Anleitungen zu folgen. Die harmonische Stimme, die uns führt, wirkt beruhigend und trägt uns durch den gesamten Meditationsprozess. Sie hilft uns, Gedanken loszulassen und unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Vorstellungen oder Objekte zu lenken. Oft läuft im Hintergrund auch eine sanfte Melodie, die zusätzlich Gelassenheit und Entspannung fördert.

Geführte Meditationen wirken von außen nach innen und beeinflussen vor allem unsere Sinne und unsere Gedanken. Sie berühren aber nur die Oberfläche unseres Geistes, denn Gedanken gehören zur obersten, zur sog. groben Ebene unseres Bewusstseins. Es gibt – je nach Zielsetzungen – viele Arten von geführten Meditationen. Zum Beispiel Entspannungs- und Beruhigungsmeditationen, Affirmationen, Wahrnehmungsschulungen usw. Bei all diesen Arten lauschst du einer Stimme, die dir sagt, was du tun sollst. Du folgst einfach den Anweisungen und lässt dich führen, daher auch der Name Geführte Meditation 😉

Am Ende fühlst du dich meist entspannter, ruhiger, stärker usw., je nachdem, welche Form der geführten Meditation du gewählt hast.

Vorteile der geführten Meditation

Meiner Meinung nach sind geführte Meditationen für Anfängerinnen ein guter Einstieg ins Meditieren. Du brauchst keine Vorkenntnisse, kannst sofort starten und hast meist ein angenehmes Gefühl am Ende der Sitzung. Wenn du schnelle Zufriedenheit ohne langwieriges Training suchst, dann ist die geführte Meditation ein sehr hilfreiches Tool.

Sind deine Übungsziele körperliche und geistige Entspannung sowie Loslassen, dann sind geführte Meditationen sehr nutzbringend. Du folgst mit deiner Aufmerksamkeit einfach der Stimme deiner Meditationslehrerin und lässt schon allein dadurch, dass du dich aufs Geführt-werden einlässt, andere Gedanken los. Dieses Loslassen bewirkt den ersten Schritt in Richtung Entspannung.

Meine Lieblings-Geführte-Meditation

Auch für Affirmationen, für die Stärkung des Selbstvertrauens, für das Nach-Hause-Kommen sind geführte Meditationen hilfreich. Hier hab ich eine kurze geführte Meditation für dich. Ich verwende sie manchmal in meinen Seminaren, weil sie eine gute Vorbereitung für die Shamata-Meditation ist. Diese Übung findest du übrigens im Buch: Thich Nhat Hanh. Und ich blühe, wie die Blume…

  1. Ich atme ein und weiß, dass ich einatme. Ich atme aus und weiß, dass ich ausatme.
  2. Ich atme ein und sehe mich als Blume. Ich atme aus und fühle mich frisch.
  3. ich atme ein und sehe mich als Berg. Ich atme aus und fühle mich fest.
  4. Ich atme ein und sehe mich als ruhiges Wasser. Ich atme aus und spiegle alles, was ist.
  5. Ich atme ein und sehe mich als Raum. Ich atme aus und fühle mich frei.

Probier diese Meditation gleich aus: Sitze bequem und aufrecht auf einem Kissen oder auf einem Stuhl und bringe deinen Körper in eine stabile Position. Nun sprich laut oder denke die ersten beiden Sätze dieser Meditationsanleitung. Die Übung geht wie folgt: Atme ein und sei dir deines Einatmens bewusst, atme aus und sei dir deines Ausatmens bewusst. Lass‘ alle Gedanken an Vergangenes und Zukünftiges los. Verbinde dich mit dem Gewahrsein deines Ein- und Ausatmens. Bleibe 1-3 Minuten bei dieser Übung. Dann geh‘ weiter zu Punkt 2 usw. Am Ende dieser Meditationsübung fühlst du dich wahrscheinlich ruhiger und ein wenig entspannter.

Ich empfehle dir auch, diese Übung mit deiner Partnerin / deinem Partner durchzuführen. Dabei wechselt ihr euch einfach ab. Heute führst du durch die Meditation und achtest auf die Zeit und morgen übernimmt deine Partnerin. Viel Freude beim Üben 🙂

Nachteile der geführten Meditation

Geführte Meditation wirkt von außen nach innen. Daher brauchst du immer äußere Reize, wie zum Beispiel eine Stimme, die dich anleitet oder auch Klänge, auf die du deine Aufmerksamkeit richtest, um dann ruhiger, entspannter und zufriedener zu werden. Die Effekte dieser Meditation sind von kurzer Dauer und abhängig von Impulsen, die von außen kommen. Da unsere Sinneswahrnehmungen äußerst flüchtig sind, ist auch die Wirkung dieser Meditation nicht von langer Dauer.

Wenn du dich ausschließlich auf geführte Meditationen stützt, dann lässt du das großartige Potential deines Bewusstseins verkümmern. Daher empfehle ich: genieße die geführten Meditationen und nutze sie, um ruhiger und entspannter zu werden. Aber lass dich nicht einlullen von den Traumreisen und Gedankenspielereien. Denn sonst verschläfst du die Möglichkeit, in die Tiefen deines Bewusstseins einzutauchen und dich wirklich zu berühren. Bleib nicht stehen und mach den nächsten Schritt: Beginne mit der Shamata-Meditation!

Stille Meditation – was ist das?

In meinen Meditationsseminaren frage ich zu Beginn immer nach den Meditationserfahrungen der Teilnehmerinnen. Fast alle, die bereits meditieren, kennen bislang nur geführte Meditationen. Viele sagen auch: Ich bin hier und möchte nun endlich richtig meditieren lernen 🙂

Willst auch du die subtileren und tieferen Schichten deines Bewusstseins kennenlernen? Willst du unabhängig von äußeren Faktoren Ruhe, Klarheit und Heiterkeit erfahren? Willst du die jahrtausendealte und vielfach erprobte Meditation in dein Leben integrieren? Dann lerne direkt mit deinem Geist zu arbeiten und übe Stille Meditation bzw. Stilles Sitzen. Eine Form der Stillen Meditation ist die Shamata-Meditation (Sanskrit: Śamatha, auch Shamatha geschrieben). Sie wird auch Konzentrative Meditation oder Konzentrierte Meditation oder Stabilisierende Meditation genannt. Bei dieser Form der Meditation trainierst du die Stabilität und die Klarheit deines Geistes. Unabhängig von äußeren Stimuli bewahrst du Ruhe und Klarheit und auch in schwierigen Zeiten geht deine Heiterkeit nicht verloren – siehe auch Was ist Meditation

Für Shamata gibt es verschiedene Übersetzungen, die häufigsten sind: Geistige Ruhe und Stilles Verweilen. Dieser Geisteszustand zeichnet sich aus durch äußerste Klarheit und Stabilität des Geistes, begleitet von Heiterkeit und Gelassenheit.

Übungsschritte bei der Shamata-Meditation

Was genau übst du bei der Shamata-Meditation und wie erreichst du den Zustand der Geistigen Ruhe? Du trainierst deine Konzentrationsfähigkeit, deine Achtsamkeit bzw. Vergegenwärtigung und deine Introspektion. All dies sind Fähigkeiten deines Bewusstseins, die du genauso wie deine Körpermuskel trainieren kannst. Shamata entwickelt sich aus dem Prozess des regelmäßigen Übens:

  1. Zu Beginn findest du DEINE Körperhaltung – ein stabiler Körper ist die Grundvoraussetzung für die Meditation.
  2. Als zweites entscheidest du dich für DEIN Meditationsobjekt – du bindest deinen Geist an dein Meditationsobjekt, zum Beispiel an den Atem.
  3. Im dritten Schritt machst du dich mit den wichtigen begleitenden Geistesfaktoren vertraut, die du beim Meditieren brauchst: Konzentration, Vergegenwärtigung, Introspektion. Du lernst ihre Definitionen kennen und mit fortschreitender Übung erkennst du sie auch und kannst sie voneinander unterscheiden.
  4. Im vierten Schritt machst du dich mit den Fehlern vertraut, die während der Meditation auftreten: Wandern und Absinken des Geistes, Trägheit usw.
  5. Und ab dann ist es nur noch Training, Training, Training. Durch kontinuierliches Üben schreitest du die Stufen der Meditation empor, bis du Samadhi (Konzentration) und schließlich Shamata erreichst.

Erfahrung macht die Meisterin. Simple but not easy 🙂

Vorteile der Shamata-Meditation

Durch die Übung der Shamata-Meditation gewinnst du echte innere Kraft. Du wirst Königin im Reich deines Lebens von Körper und Geist. Deine innere Stärke kann allen Widrigkeiten des Alltags begegnen, ohne zu verzweifeln, ohne von destruktiven Emotionen überschwemmt zu werden, ohne aufzugeben. Egal ob Schneesturm, Wirtschaftskrise, Krankheit, unzufriedene Chefs oder Sonnenschein – dein Geist sieht klar, was ist und bleibt stabil. Deine innere Heiterkeit wird nicht durch äußere Umstände aus der Bahn geworfen. Das sind – kurz gesagt – einige Vorteile der Shamata-Meditation.

Nachteile der Shamata-Meditation

Es gibt keine 🙂

Fazit und Empfehlung

Was ist besser – geführte Meditation oder Stille Meditation? Du ahnst es schon: Willst du kurzfristig Erleichterung, Stressabbau und Entspannung herbeiführen, dann helfen auch geführte Meditationen. Nutze und genieße sie!

Willst du langfristige und tiefgreifende Wirkungen erzielen und Königin in deinem Körper-Geist-Reich sein? Dann such dir eine Expertin und lerne die Shamata-Meditation. Denn Shamata-Meditation wirkt von Innen nach Außen – nachhaltig und dauerhaft. Sie stärkt deine Geisteskraft und bringt dir Klarheit, Leichtigkeit und innere Freude.