Ich wusste von Anfang an, dass die Praxis zur Entfaltung der Vier Unermesslichkeiten – Liebe, Mitgefühl, Freude, Gleichmut – zu den wichtigsten und wunderbarsten spirituellen Übungen gehört. Ich habe diese Kraft, die Macht der Liebe und des Mitgefühls kennengelernt, direkt erfahren und in meinem Innersten gespürt. Das hat mich tief bewegt.

Denn ich hatte Glück und durfte spirituelle Meisterinnen und Meister persönlich erleben, die diese Kräfte gelebt und verwirklicht hatten. Das hat mich so ungemein inspiriert und bereichert. Aber vor allem hat es mich auch motiviert, es ihnen gleichzutun.

Mich selbst ausblenden

So habe ich den 11-fachen Pfad zur Entfaltung von Liebe und Mitgefühl, der eine Kombination aus der 7-fachen Anweisung und der Übung des Austauschens von Selbst und Anderen ist, viele Jahre lang immer wieder meditiert und geübt – mal mehr und mal weniger. Mein Fokus war dabei ganz auf die anderen Menschen und Lebewesen gerichtet. So steht es in den Texten und so wird es gelehrt.

Die Praxis der Vier Unermesslichkeiten ist vor allem im Mahayana Buddhismus von zentraler Bedeutung. Denn sie legt die Basis für die Entfaltung von Bodhicitta, dem sog. Erleuchtungsgeist, dem Eintrittstor zum Großen Fahrzeug.

Ich lenkte daher meine Aufmerksamkeit auf Freunde, Feinde und auf die vielen Unbekannten, die sog. neutralen Personen. Denn die Objekte unseres Mitgefühls sind ja die ANDEREN Lebewesen. Mir selbst dabei auch zu begegnen, mich einzuschließen und mich meinen eigenen Verletzungen, Schamgefühlen und Schmerzen zuzuwenden, habe ich dabei erfolgreich ignoriert und ausgeblendet.

Mich selbst einschließen

Auf die Idee, mich selbst einzuschließen, kam ich gar nicht. Ja, es kam mir sogar egoistisch vor, mich um mich selbst zu kümmern, mich selbst in den Mittelpunkt meiner Praxis zu stellen. Das wurde auch nicht gelehrt, es war verpönt. Denn schließlich wollen wir ja Bodhicitta entwickeln und für das Wohl aller (anderen) Lebewesen tätig sein.

Wenn manche SchülerInnen die Lehrer dann fragten, ob man nicht auch sich selbst gegenüber Liebe und Mitgefühl praktizieren sollte, ja sogar müsste, dann war die Antwort oft allgemein gehalten: Du bist eh mitgemeint. [Heute erinnert mich das an das generische Maskulinum in der Sprache: wir Frauen sind eh mitgemeint. 😊]

Ich selbst kam gar nicht auf die Idee, eine Frage zu stellen, die das Wohlwollen mir selbst gegenüber und das Meine-Geschichte-Annehmen und mich dafür zu lieben, thematisiert.

Doch der Ausschluss und die Verdrängung meiner eigenen Verletzlichkeit reduzierte diese kostbare und wunderbare spirituelle Praxis der Liebe und des Mitgefühls enorm. Sie wurde schließlich zu einer technischen Anleitung, die kaum etwas mit mir zu tun hat. Entfremdung, Isolation und Trennung wurden gestärkt, Integration, Verbindung und echte Gemeinschaft vernachlässigt.

Heute weiß ich nicht nur theoretisch, dass echter Altruismus das eigene Wohlsein voraussetzt. Und genau das steckt auch in der Bedeutung des Begriffs Bodhicitta: nach dem eigenen Wohl streben, um das Wohl der anderen bewirken zu können.

Den Schmerz umarmen

In den letzten zwei Jahren sind so viele Dinge in meinem Leben passiert, dass ich gar nicht mehr anders konnte, als mich meinem inneren Schmerz zuzuwenden, ihn zu schauen. Dabei habe ich gelernt, ihn zuzulassen, anzunehmen und vor allem auch auszuhalten. Den Schmerz erleben, macht ihn wirklich.

Es fällt mir noch immer nicht leicht, hineinzugehen und den Schmerz ganz zu spüren. Aber die Tränen, die dabei fließen, sind so befreiend und die harten Mauern, die sich oft in meinem Inneren aufgebaut haben, schmelzen dann einfach dahin und weg.

So lösen sich jahrelange Verstrickungen auf. Neues darf eintreten, Verbundenheit wird möglich. Es geschieht einfach. Früher konnte ich nichts damit anfangen, doch jetzt verstehe ich immer mehr, was es heißt: der erste Schritt zur Befreiung ist, den eigenen Schmerz wahrzunehmen und ihn zu umarmen.

Auch der Buddha lehrte als erste Edle Wahrheit die Wahren Leiden: sie sind zu erkennen. 

Meditieren macht stark und befreit

Durch regelmäßiges Meditieren werden tiefere, subtile Bewusstseinsschichten freigelegt und manchmal kommen Erfahrungen aus der Vergangenheit hoch, angenehme wie schmerzhafte.

Auch der Schlaf verändert sich. Träume werden klar erlebt, manchmal als Traum erkannt.

In jedem Fall wird das Leben intensiver, farbenfroher und vielfältiger. Innere Stabilität und Festigkeit schaffen neue Verbindungen. Verschleierungen, die die Sicht trüben, weichen einer neuen Klarheit, die sieht, was ist.

Durch die regelmäßige Meditation lösen sich die dicken Panzer, die ich erst heute als Formen der Angst erkenne. Die wunderbare Entdeckungsreise zur Blütenpracht des Erwachens geht weiter 😎

Die Vier Unermesslichkeiten

Du fragst dich vielleicht, was mit den Vier Unermesslichen Geisteshaltungen gemeint ist. Hier die Kurzfassung:

  1. Mögen alle Lebewesen Glück besitzen und die Ursachen von Glück. (Liebe)
  2. Mögen alle Lebewesen frei sein von Leid und den Ursachen des Leids. (Mitgefühl)
  3. Mögen alle Lebewesen niemals getrennt sein vom Glück, das völlig frei ist von Leid. (Freude)
  4. Mögen alle Lebewesen in Gleichmut verweilen, frei von Vorurteilen, Hass und Anhaftung. (Gleichmut)

In einem der nächsten Blogartikel werde ich die Praxis zur Entfaltung der Vier Unermesslichkeiten genauer beschreiben.

Wenn du die Dinge anders als gewohnt machst, lässt du zu, dass ein neuer Mensch aus dir wird. Paulo Coelho.

MEDITIEREN lernen

Willst du mehr Achtsamkeit, Mitgefühl und Freude in dein Leben bringen? Dann lerne meditieren! Meditation stärkt deinen Geist durch die Kraft der Achtsamkeit und der Innenschau. Du erkennst, was sich in dir abspielt und lässt dich nicht mehr von deinen Emotionen überwältigen. Meditieren stärkt die Ruhe und Klarheit deines Geistes.

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