Vor einigen Tagen hörte ich einen interessanten und inspirierenden TEDx-Talk des Psychologen und Neurowissenschaftlers Richard Davidson. Seit Jahrzehnten forscht er zu folgenden Fragen: Warum sind manche Menschen resilient und andere zerbrechen an ihren Schwierigkeiten und Problemen? Davidson fand vier Säulen eines gesunden Geistes und seine Forschung zeigt: Resilienz ist trainierbar.
Vier Herausforderungen unserer Zeit
Bevor wir über die Säulen eines gesunden Geistes sprechen, schauen wir genauer hin: Was läuft gerade schief?
Vier große Probleme belasten uns heute besonders stark. Sie sind Energieräuber und greifen Geist und Körper gleichermaßen an.
Erstens: ABLENKUNG – kollektives Aufmerksamkeitsdefizit
Wusstest du, dass Erwachsene fast 50% ihrer Wachzeit gedanklich nicht bei dem sind, was sie gerade tun? Das ist fast die Hälfte unseres Lebens.
Wenn der Geist wandert, sinkt das Glück. Und ein zerstreuter Geist tendiert zum Unglücklichsein. Daten dazu liefert die Studie „A Wandering Mind is an Unhappy Mind“
Zweitens: EINSAMKEIT trotz ständigem Vernetzt-Sein
Wir sind vernetzter denn je. Trotzdem berichten über 70% der Menschen mittleren und höheren Alters über mäßige bis starke Einsamkeit.
Das bleibt nicht im Kopf, sondern wirkt sich auch auf die körperliche Gesundheit aus. Einsamkeit erhöht das Risiko eines vorzeitigen Todes stärker als zum Beispiel Übergewicht.
Isolation und Einsamkeit wirken wie schleichendes Gift.
Drittens: NEGATIVE SELBSTGESPRÄCHE
Wir alle tragen unsere Geschichte mit uns herum. Wenn diese Erzählung negativ ist und wir sie für wahr halten, dann wirkt sich das negativ auf unsere psychische Gesundheit aus.
Das kann in eine Depression münden. Frauen und Jugendliche sind stärker betroffen als Männer.
Brené Browns Aussage: “Deine Geschichte anerkennen und dich dafür zu lieben, ist das Mutigste, was du je tun wirst. Lass los, was du glaubst, sein zu müssen und umarme, was du bist.“, hat mich so inspiriert, dass ich vor einigen Jahren einen Blogartikel dazu geschrieben habe.
Viertens: VERLUST von SINN und Richtung im Leben
Das Leben fühlt sich leer an und ohne tiefere Bedeutung. Wenn der Lebenssinn fehlt, dann zerstreut sich die Energie. Wenn unser Leben eine klare Ausrichtung hat, dann entsteht Kraft. Mental und körperlich.
Diese vier Herausforderungen wirken direkt auf unser Gehirn.
Und genau hier beginnt DIE GUTE NACHRICHT.
Vier Säulen eines gesunden Geistes
Davidson hat ein starkes Modell entwickelt. Es besteht aus vier Säulen:
Erste Säule: BEWUSSTHEIT – die Kraft der Aufmerksamkeit
Damit ist die Fähigkeit gemeint, die Aufmerksamkeit gezielt zu lenken und die mentale Kraft zu haben, Ablenkungen zu widerstehen.
Dazu brauchen wir drei Geisteskräfte: Konzentration, Meta-Bewusstsein und Vergegenwärtigung.
Konzentration ist die Kraft, den Geist auf ein Objekt zu lenken und ohne Ablenkung fokussiert zu bleiben. Sie wird definiert als „Einspitzigkeit des Geistes in Bezug auf ein Objekt“.
Meta-Bewusstsein, häufig auch übersetzt als wachsame Selbstprüfung ist das Wissen, was Körper und Geist gerade tun.
Vergegenwärtigung, häufig als Achtsamkeit übersetzt, ist die Erinnerungsfähigkeit des Geistes in Bezug auf ein vertrautes Objekt. Sie wirkt der Ablenkung entgegen.
Stell dir vor, du liest ein Buch. Plötzlich bist du bei der übernächsten Seite angekommen und hast nichts behalten. Dein Geist war zerstreut und ganz woanders.
Das Meta-Bewusstsein aktiv: „Ja hallo, du bist ja total abgelenkt!“
Vergegenwärtigung kommt ins Spiel, sie erinnert sich: „Ja genau, ich will ja das Buch lesen und mich auf den Inhalt konzentrieren.“
Und schließlich kann die Konzentration wieder arbeiten und sich auf das Lesen und das Erfassen des Textes konzentrieren.
Konzentration – Meta-Bewusstsein – Vergegenwärtigung sind drei unterschiedliche geistige Fähigkeiten, die in der Shamatha-Meditation trainiert und gestärkt werden.
Zweite Säule: VERBUNDENHEIT und Mitgefühl
Hier geht es um alles, was Beziehungen harmonisch und wertvoll macht: Wertschätzung. Freundlichkeit. Mitgefühl.
Die Fähigkeit, grundsätzlich positiv auf andere und auf die Welt zu blicken, schlummert in uns allen. Mit ein bisschen Training kann die Fähigkeit geweckt und entfaltet werden.
Dritte Säule: EINSICHT in die eigene Geschichte
Einsicht in die eigene innere Geschichte heißt zu erkennen, dass diese innere Erzählung nur ein Konglomerat aus Gedanken ist. Nicht unbedingt die Wahrheit.
Ein gesunder Geist ändert nicht unbedingt die Geschichte, sondern vielmehr den Umgang mit ihr.
Einsicht schafft Abstand und Abstand gibt Luft zum Atmen. Das bedeutet Freiheit. Und das Wohlbefinden steigt spürbar.
Vierte Säule: SINN und LEBENSZWECK
Das Gefühl und das Wissen, dass dein Leben eine klare Richtung hat.
Wenn du einen Lebenszweck hast, dann ziehst du immer mehr alltägliche Tätigkeiten in diesen Lebenszweck hinein: Müll rausbringen. Geschirr abwaschen. Wäsche falten. Plötzlich sind auch diese Momente Teil von etwas Größerem.
Das ganze Leben wird dadurch reicher.
Mit MEDITATION und Geistestraining Säulen eines gesunden Geistes aufbauen
Unser Gehirn ist nicht starr. Es passt sich an. Diese Fähigkeit nennt man Neuroplastizität.
Davidson hat dies eindrucksvoll nachgewiesen. In einer Studie erhielt eine Gruppe zwei Wochen lang Mitgefühlstraining, insgesamt waren es sieben Stunden in zwei Wochen.
Bereits nach so kurzer Zeit zeigten die MRT-Scans klare Veränderungen in der Gehirnstruktur: Der präfrontale Kortex und das ventrale Striatum, wichtige Bereiche für positive Emotionen, wurden größer bzw. gestärkt.
Veränderungen entstehen in relativ kurzer Zeit. Mit regelmäßiger Praxis halten sie an.
Davidson plädiert dafür, die Meditation so wie das Zähneputzen in den Alltag zu integrieren. Früher putzte sich niemand die Zähne, heute machen wir es automatisch. Mit minimalem Aufwand.
Ich empfehle meinen KursteilnehmerInnen immer, formale Praxis mit kleinen Alltagsübungen zu kombinieren:
Du trainierst formal – auf dem Sitzkissen – und baust dann kleine Übungen in deinen Alltag ein: während du an der Supermarktkasse wartest, beim Busfahren, an der Haltestelle usw.
Es gibt viele Gelegenheiten, zu praktizieren und den Geist zu nähren. So veränderst du nicht nur dich selbst, sondern auch deine Umgebung.
Implizite Vorurteile und sinnlose Gespräche werden weniger. Leistungen steigen. Gesundheitskosten sinken. Sinn und Lebensfreude wachsen. Ablenkung nimmt ab. Glücksgefühle steigen.
Der Geist wird klar und stabil, der Körper wird robust und energetisch.
Es ist unglaublich, wie Meditation und Geistestraining wirken!
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