Du machst etwas 15-20.000 mal am Tag. Jeden einzelnen Tag. Und die meiste Zeit machst du es falsch. Das klingt verrückt, oder? Ist es auch. Wir atmen und denken kaum darüber nach. Bis der Körper irgendwann sagt: “Genug!” Dann kommen Verspannungen, der Dauerschnupfen, die innere Unruhe, der unruhige Schlaf oder das ständige Gefühl, nie richtig durchatmen zu können. Hier zeige ich dir 5 einfache Wege zur gesunden Atmung.
Was bedeutet “richtig atmen”?
Richtig atmen heißt vor allem: durch die Nase atmen.
Nicht durch den Mund. Auch nicht halb durch die Nase und halb durch den Mund. Richtig atmen heißt, konsequent durch diese großartige, unterschätzte Filteranlage in deinem Gesicht zu atmen.
Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die Luft. Bis sie in deiner Lunge ankommt, hast du schon 20% mehr Sauerstoff herausgeholt, als beim Mundatmen. Das ist der Unterschied zwischen “überleben” und “richtig gut fühlen”.
James Nestor sagt es klar: Mundatmen reicht zum Überleben. Nasenatmen lässt dich aufblühen.
Besonders nachts atmen viele Menschen durch den Mund. Aber auch tagsüber, wenn sie gestresst sind oder am Bildschirm hängen.
Atmen beeinflusst das Nervensystem
Der Atem transportiert nicht nur Sauerstoff. Er beeinflusst und steuert indirekt auch das Nervensystem.
Jeder Atemzug schickt Signale ans Gehirn: “Alles im grünen Bereich!” oder “Alarmstufe rot!”. Schnelles, tiefes Durch-den-Mund-Atmen bedeutet Gefahr. Der Körper produziert Stresshormone, Entzündungen schleichen sich ein, der Blutdruck steigt, die Verdauung leidet.
Nasenatmung beruhigt und lässt dich mit weniger Aufwand mehr Energie gewinnen. Nasenatmung fördert die Zwerchfellatmung. Das wiederum stärkt die Lunge.
Wusstest du, dass die Lungenkapazität ein starker Marker für ein langes Leben ist? Ab Mitte 30 beginnt die Lunge zu schrumpfen. Mit der richtigen Atmung kannst du diesen Prozess aufhalten, ja sogar umkehren.
Warum atmen viele Menschen falsch?
Weil wir es nie gelernt haben.
Die moderne Welt hat uns das Atmen abgewöhnt. Bildschirme. Stress. Verarbeitete Lebensmittel. Wenig Kauen. Schlechte Luft in den Büros und in den Wohnungen.
Die Folge: verstopfte Nasen, schmale Kiefer, Mundatmung als Normalzustand.
Viele merken erst, wenn sie bewusst darauf achten, dass sie Mundatmer sind.
5 Schritte zur gesunden Atmung
Konstantin Buteyko spricht von den 5 Prinzipien einer gesunden Atmung. Sie sind die Grundlage für alle fortgeschrittenen Atemübungen.
Erstens: NASE – mach den Mund zu!
Atme tagsüber bewusst durch die Nase. In der Nacht kannst du mit einem speziellen Pflaster den Mund zukleben – Mouth-Taping nennt man das. Ich mache dies seit Jahren, auch dann, wenn ich stark verschnupft bin. Am Anfang fühlt sich das ein wenig seltsam an. Doch nach einigen Tagen merkst du, wie du ruhiger wirst und dein Schlaf erholsamer.
Die Nase ist ein Hochleistungsfilter. Sie reinigt, filtert, desinfiziert und erwärmt die Luft.
Buteyko sagte: Nasenatmung ist Inspiration, Mundatmung ist Verzweiflung.
Zweitens: Atme „nach UNTEN„
“In die Tiefe atmen” bedeutet, mit dem Zwerchfell zu atmen. Dadurch gelangt die Luft in die unteren Lungenbereiche, wo die “Sauerstoffausbeute” am größten ist.
Gesunde Zwerchfellatmung im Ruhezustand braucht ca. 3% Körperenergie. Mund- und Brustatmung brauchen bis zu 30% der Körperenergie.
Drittens: LANGSAM – atme langsam, atme weniger
Eine stabile, aufrechte Körperhaltung und langsame Atemzüge sind weitere Merkmale einer gesunden Atmung. Ruhig, langsam und weniger atmen signalisiert dem Gehirn: “Alles ist gut. Ich bin sicher.”.
Die Nerven beruhigen sich, der Blutdruck sinkt, die Blutgefäße und die Atemwege weiten sich.
Viertens: LOSLASSEN – lass das (Aus-)Atmen geschehen
Das bezieht sich auf die Ausatmung. Die Ausatmung geschieht passiv. Versuche mal, dich in die Ausatmung hineinfallen zu lassen. Nimm alles Machen aus dem Atmen raus. Lass den Atem von selbst kommen und gehen. Das ist gar nicht so einfach 😉
Fünftens: Atme sanft und LEISE
Der Ruhe-Atem fließt sanft und leise. Du hörst gar nichts.
Falsch atmen hat einen hohen Preis
Langfristige Folgen sind chronische Müdigkeit, häufige Erkältungen, schlechter Schlaf und auch Angstzustände.
Chronische Nasenatmer sehen auch anders aus als Mundatmer. Sie haben z.B. schmalere Kiefer und eine Tendenz zum Doppelkinn. Hierzu gibt es viele Beispiele im Buch Jaws von Sandra Kahn und Paul Ehrlich.
Fazit
Atmen ist das Einfachste, was wir tun und gleichzeitig das Mächtigste. Es muss gar nicht kompliziert sein. Häufig reicht es, den Mund zuzumachen, langsamer zu werden und der eigenen Nase eine Chance zu geben.
Probier es aus. Atme heute Nachmittag 10 Minuten bewusst durch die Nase. Atme entspannt ein und lass dich in die Ausatmung hineinfallen.
Atmen musst du sowieso. Warum nicht endlich richtig?
Gesund ATMEN – erholsam SCHLAFEN
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